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Raum 18 - Bürgerliche Kultur |
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Ruhe ist die erste Bürgerpflicht." Das geflügelte
Wort aus dem preußisch-französischen Krieg von 1806 wurde zum Motto der
Gesellschaft nach dem Wiener Kongreß. Das Zeitalter des »Biedermeier« war
angebrochen, später so genannt nach einer 1855 erschienenen parodistischen
Gedichtsammlung eines fiktiven »Schulmeisters Biedermaier«.
Von der politischen Verantwortung ferngehalten, entfaltete das Bürgertum Kraft und Ehrgeiz in Wirtschaft, Verwaltung und Kultur. Man lebte sicher, man lebte aber auch ärmlich, denn die napoleonischen Kriege hatten den Reichtum Europas aufgezehrt. Ins Zentrum des Lebens rückten die häuslichen vier Wände. Stolz folgte man den Idealen, welche die bürgerlichen Klassiker der Literatur und Musik formuliert hatten. Die glückliche Familie, auf Liebesehe und patriarchalische Harmonie gegründet, wurde zum Leitbild. Kinderliebe und Freundschaftskult spiegelten sich in der Fülle der Souvenirs.
Im Biedermeier-Stil von Möbeln und Gerät vermischten sich Elemente des französischen
Revolutions-Klassizismus (Empire) mit dem Nützlichkeitsdenken der englischen
Kultur. Die Bescheidenheit der Verhältnisse zwang zu schlichter Zweckmäßigkeit,
und so entstanden architektonische Meisterwerke von klassischen Proportionen,
wie Karl Friedrich Schinkels Altes Museum in Berlin oder Leo von Klenzes
Ludwigstraße in München. Die herrschende Bildungswelt des Neuhumanismus schien
in die Materie übersetzt zu sein.
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